Integration verankert im Gesundheitsmanagement
Wie führe ich ein Bewerbungsgespräch mit jemandem, der taub ist? Wie kommen wir in ein Sitzungszimmer mit einem Bewerbungskandidaten, der im Rollstuhl sitzt? Wie schaffen wir es, jemanden, der lange Zeit nicht erwerbstätig sein konnte, wieder in das Arbeitsleben zu integrieren? Iris Stanger hat durch den Kontakt mit handicapierten Menschen in den letzten Jahren viel dazugelernt. «Die gewonnene Erfahrung hilft uns, bei Krankheit im Unternehmen entsprechend reagieren zu können. Wir möchten uns ein Netzwerk aufbauen, auf das wir bei Bedarf rasch zurückgreifen können», erklärt Iris Stanger ihre Idee.
Seit 2014 fanden bei Kistler bereits mehrere Arbeitsversuche statt, seit 2016 sind sie fester Bestandteil im betrieblichen Gesundheitsmanagement. «Die Integration ist dabei nur ein Mosaiksteinchen. Es ist wichtig, dass sich ein Unternehmen allen Bewerberinnen und Bewerbern gegenüber offen verhält. Schliesslich kann es jeden treffen, deshalb braucht es Arbeitgeber, die das mittragen», ist Yves Birchmeier, Chief HR Officer, überzeugt.
Diverse Arbeitsbereiche vorhanden
Elf beeinträchtigte Menschen erhielten bisher eine Festanstellung bei Kistler, einige nach Direktbewerbungen, andere durch die Unterstützung externer Stellen. Die Arbeitsversuche seien eine gute Chance, wieder im Erwerbsleben Fuss zu fassen. «Auch wenn nach einem Arbeitsversuch keine weitere Anstellung bei uns möglich ist, kann uns dieser ehemalige Mitarbeitende als Referenz angeben, damit der Einstieg anderswo leichter fällt. Bisher haben wir aber nur jemanden nicht weiter beschäftigen können», erzählt Iris Stanger von ihren Erfahrungen. Der Betreuungsaufwand bei den Vorgesetzten sei sicher etwas höher, räumt Iris Stanger ein, aber das heisse nicht, dass die Angestellten mit einer Beeinträchtigung sich in einem geschützten Rahmen bewegen würden. Klar nehme man Rücksicht, doch die Leistungsanforderungen blieben stets die gleichen.
Das Tragen einer Schutzbrille ist in der Metall- und Kristallbearbeitung Pflicht. Die Maschinen laufen auf Hochtouren. In der Montage ist es ruhig. Konzentriert baut eine Mitarbeiterin in feinster Präzisionsarbeit Sensoren zusammen. Die Produkte sind sorgfältig für den Transport verpackt. Karton um Karton, die mit dem Kistler-Logo versehen sind, stehen in der Spedition zum Versand an die Kundschaft bereit. «Wir haben eine breite Palette an Arbeitsmöglichkeiten – vom Lager hin bis zur Spedition», erklärt Yves Birchmeier den Grund, weshalb es ihnen als grosses Unternehmen leichter falle, Arbeitsversuche zu ermöglichen.