Dieser Browser ist veraltet und birgt Sicherheitsrisiken. Die Webseite der SVA Zürich ist für diesen Browser nicht optimiert. Deshalb werden einige Inhalte nicht korrekt dargestellt.

Stiftung Tierrettungsdienst

This-Priis: Der IV-Arbeitgeber-Award: Stiftung Tierrettungsdienst

This-Priis: Der IV-Arbeitgeber-Award

Der This-Priis zeich­net jähr­lich Unter­nehmen im Kanton Zürich aus, die sich für die beruf­liche Integration von Menschen mit gesund­heitlichen Einschränk­ungen enga­gieren – und das seit 20 Jahren. 

Fellnasen als Integrations­helfer

Stiftung Tierrettungs­dienst (Finalistin 2026)

Die hellen Räume erinnern an Kinder­zimmer. In einem davon wohnen die Katzen Dina und Fortuna. An der Glastür warnt eine Aufschrift: «Fluchtgefahr!» Im Erd­geschoss mümmelt ein Kaninchen in einer Quarantäne-Box vor sich hin; Vermerk: «8-ung, EC positiv!». Die quick­lebendige Mischlings­hündin Leica darf derweil raus zum Training auf einen der fünf professionell ausgestatteten Abenteuer­spielplätze. Die Betreuerinnen aus dem fünfköpfigen Hunde­team sprechen schon mal schmunzelnd von «verhaltens­kreativen» Tieren. Der Augen­schein im Tierheim «Pfötli» der Stiftung Tier­rettungs­dienst in Winkel im Zürcher Unterland zeigt: Hier kümmert man sich kompetent und liebe­voll um jedes der bis zu 250 verletzten, kranken oder verwaisten Tiere. Dieses Setting, das wird schnell klar, erscheint auch wie gemacht für berufliche Integration.

Nicole Eggenberger, Co-Geschäftsführerin und Abteilungsleiterin Zentrale Dienste der Stiftung Tierrettungsdienst.
Nicole Eggenberger, Co-Geschäftsführerin und Abteilungsleiterin Zentrale Dienste der Stiftung Tierrettungsdienst.

Wo alle angenommen werden, wie sie sind

Schon rund 20 Personen haben nach Integrations­programmen eine Anstellung gefunden, sei es als Lernende oder als Erwachsene. Manche in der IT-Abteilung, im technischen Bereich oder im Projekt­management. Die meisten aber in der Tier­pflege. Kein Wunder. «Tiere nehmen einen an, wie man ist», sagt die Co-Geschäfts­führerin und Abteilungs­leiterin Zentrale Dienste der Stiftung, Nicole Eggenberger. Und genau das tun auch sie selbst und das Team. So wachse schnell das Vertrauen, das man braucht, um sich öffnen zu können. Wie bei Luisa*. Als 16-Jährige bekam sie über die SVA Zürich und eine Berufs­begleitung die Chance zu einem Schnupper­einsatz im Tierheim. Es folgte ein einjähriges Praktikum, begleitet von einem Job Coach, und eine dreijährige EFZ-Lehre bis zur Fest­anstellung als Tierpflegerin. Seit zehn Jahren schon ist die Mitt­zwanzigerin nun eine tragende Kraft im «Pfötli»-Team.

«Ich wollte immer schon mit Tieren arbeiten», erzählt Luisa, als sie gerade vom Füttern aus der Voliere vor dem «Pfötli»-Gebäude kommt. Einer der Sittiche hat ihr auf die Schulter geschmutzt, wie sie lachend bemerkt. Die Arbeit erfordert weit mehr als Tierliebe und die Bereitschaft, sich gewissen Unannehmlich­keiten zu stellen. Es braucht auch Wissen und Können. So hat sich Luisa durch eine der zahlreichen Fortbildungs­angebote der Stiftung zuletzt auf das Sonder­fachgebiet «Kitten» spezialisiert. Schon mehrmals hat sie mutterlose Kätzchen grossgezogen. Heisst: Den Fell­nasen alle zwei, drei Stunden das Fläschchen gegeben. Auch nach Dienst­schluss. Über Wochen hinweg hat sie die Kleinen mit nach Hause genommen. Sie sagt: «Ich freu mich schon auf den April.» Dann wird sie bestimmt wieder einen Wurf junger Kätzchen übernehmen können.

Täglicher Einsatz für Tiere in Not – rund 22‘000 Notrufe erreichen die Stiftung Tierrettungsdienst jährlich.

Junge Leute lernen Selbstfürsorge

Bei allen hier, den 100 Ehren­amtlichen oder den rund 60 Festangestellten, ist es «die pure intrinsische Motivation», wie Nicole Eggenberger sagt. Doch genau das berge auch die Gefahr auszu­brennen. Und den Bedarf für Prävention. «Die jungen Leute lernen bei uns auch im gemeinsamen Austausch mit einem Job Coach der SVA Zürich Selbst­fürsorge». Es gehe auch schlicht darum zu lernen, sich mal abzugrenzen. Wer etwa in der Disposition arbeitet und so manche der bis zu 22‘000 Notrufe pro Jahr entgegennimmt, muss auch Nein sagen lernen. Muss vermitteln können, dass leider nicht jedes Tier gerettet werden kann. Und sei es, weil es keinen offiziellen Auftrag des zuständigen Veterinär­amts für eine Beschlag­nahmung gibt.

Es braucht Vertrauen,um sich öffnen zu können.

Auch der Umgang mit Sterben und Tod eines Tieres erfordert Wissen. Dino Amantea, Leiter Kommunikation, berichtet von einem Lehrgang, den sie zusammen mit einem Tierkrematorium abgehalten haben. Kernfrage: Wie verarbeitet man Trauer, oder hilft anderen, sie zu verarbeiten? Ein weiterer Lehrgang hiess «Umgang mit potenziell gefährlichen Hunden». Manchmal führt ein Einsatz auf Anfrage der Polizei oder eines Sanitäts­dienstes in die Wohnung eines allein­stehenden Verstorbenen. Und nicht immer sind die treuen Vierbeiner dann bereit, Haus und Herrchen oder Frauchen aufzugeben, um sich nahtlos wo anders zu integrieren. Dino Amantea erklärt: «Wir nehmen jedes Tier, wie es ist, und geben so viel Zeit, wie es braucht.» Nach drei bis zwölf Monaten hat sich für die meisten eine reguläre Bleibe gefunden. Umgekehrt sei das Tier geduldig, es nehme den Menschen, wie er ist.

Gute Bindung: Ein Team ist ausschliesslich zuständig für die Hunde.
Gute Bindung: Ein Team ist ausschliesslich zuständig für die Hunde.

Tier und Mensch lernen voneinander

Dieses Mindset lebt auch in der IT-Abteilung. Dort arbeitet ein Mitarbeiter mit autistischen Zügen, der einst als Lernender begonnen hat, nicht etwa abgeschirmt in einem eigenen kleinen Büro vor sich hin, sondern in einer Art Gross­raumbüro. Und nimmt inzwischen, wie Eggenberger beobachtet hat, ganz ungezwungen an der Kommunikation, etwa beim Kaffee, teil. Grosse Not erlebte sie indes bei einer Kollegin ebenfalls in der IT. Die bekam aus unbekannten Gründen wieder­kehrend starke Schmerzen. Die Stiftung Tierrettungsdienst unterstützte wohlwollend: Man reduzierte das Arbeits­pensum und liess sie das Konzept zur Daten­sicherheit der Stiftung erarbeiten. Selbst­verantwortlich, in ihrem eigenen Tempo. Eggenberger resümiert: Das Tier ist in Not und wir retten es, integrieren es. Umgekehrt helfen auch die Tiere uns Menschen. Beide Seiten dürfen und können voneinander lernen.»

*Name geändert

Integration konkret bei der Stiftung Tierrettungsdienst

Die Stiftung Tierrettungs­dienst mit Sitz in Winkel beschäftigt 65 Mitarbeitende. Zweck der Organisation ist die Rettung, Betreuung und Vermittlung von Tieren in Not – darunter verletzte, ausgesetzte oder abgegebene Haus- und Wild­tiere. Neben dem Engagement für Tiere setzt sich die Stiftung seit vielen Jahren für die berufliche Integration von Menschen mit besonderen Heraus­forderungen ein. Jede Anfrage wird individuell geprüft und von einer Kultur des gegen­seitigen Respekts getragen.

Kontakt

Footer