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OERTLI Werkzeuge AG

This-Priis: Der IV-Arbeitgeber-Award: OERTLI Werkzeuge AG

This-Priis: Der IV-Arbeitgeber-Award

Der This-Priis zeich­net jähr­lich Unter­nehmen im Kanton Zürich aus, die sich für die beruf­liche Integration von Menschen mit gesund­heitlichen Einschränk­ungen enga­gieren – und das seit 20 Jahren. 

Integration auf Hochtouren

OERTLI Werkzeuge AG (Finalistin 2026)

Es ist eine schnell drehende Welt schärfster Präzision. In der Halle zur sogenannten Körper­fertigung greifen und wenden vielgliedrige Roboter­arme hinter Sicherheitsglas Werk­stücke aus Stahl. Sie schneiden, schleifen und bohren 24/7 auf Hoch­touren. Fehler­toleranz: drei Hundertstel Milli­meter, ein menschliches Haar misst im Durch­messer etwa 0,2 Millimeter. So entstehen in den Hallen der Oertli Werkzeuge AG Fräswerk­zeuge für Industrie­betriebe, die Holz zu passgenauen Fenstern und Türen verarbeiten. Zur technischen Präzision gehört in dem 103 Jahre alten Traditions­unternehmen mit Sitz in Höri im Zürcher Unterland auch der wert­schätzende Umgang mit den Menschen an den Maschinen.

Jürgen Gabrielli, Geschäftsführer der OERTLI Werkzeuge AG.
Jürgen Gabrielli, Geschäftsführer der OERTLI Werkzeuge AG.

«Werkzeuge herstellen können viele», sagt Jürgen Gabrielli, Geschäfts­führer der Unternehmens­gruppe Oertli mit ihren acht Europa­filialen, «den Unterschied machen die Mitarbeitenden mit ihrem Know-how, mit ihrem Engagement.» Wenn man vom Export lebt, und das in Zeiten eines starken Schweizer Frankens, könne man nur mit zufriedenen und treuen Kunden wirt­schaftlich stark aufgestellt sein. Voraus­setzung dafür aber seien zufriedene, motivierte Mitarbeitende. Teamchef Sandro Tanner und HR-Leiterin Sabine Gnädinger bekämen daher «freie Hand» beim Einstellen von Personal. Ihr Händchen haben sie schon vielfach bewiesen: «Fachkräfte­mangel», wie ihn viele in dieser Branche beklagen, kennt man bei Oertli nicht. In der eigenen Ausbildungs­abteilung für drei EFZ- und einen EBA-Beruf sind 20 Lernende beschäftigt, jedes Jahr kommen acht neu hinein.

Social-Media-Kampagnen, Zusammen­arbeit mit Schulen, Kooperationen mit der Stiftung Wisli, dem Beratungs­buffet und der SVA Zürich – solche Massnahmen erreichen offensichtlich auch Menschen wie Beat*. Der ging noch zur Schule, als die Mutter des jungen Mannes mit einer ausgeprägten Autismus-Spektrum-Störung (ASS) bei Sabine Gnädinger um einen Praktikums­platz anfragte. Die gab sofort grünes Licht. Schon nach wenigen Tagen wollte Beat gar nicht mehr zurück in seine 10. Klasse. Auch Sandro Tanner war begeistert. «Er hat sofort jeden kleinsten Fehler am Werk­stück entdeckt, seinen Job hat er gerade wegen seiner Genauigkeit sensationell gemacht.» Ungewohnt war nur die Art der Kommunikation: «Ja», «nein» oder «guet», mehr war von ihm nicht zu hören, auch die Mimik gab keinen Aufschluss.

Faktor Mensch: Auch ein extrem hoher Grad an Automatisierung erfordert fachkundige Justierung, Überwachung der Prozesse und Kontrolle des Outputs.

Die Extrameile für Mitarbeitende

Bei Oertli nimmt man derartige Heraus­forderungen trotz des zusätz­lichen Aufwands gerne an. Man geht die Extrameile, wenn es um die stets individuellen Anfertigungen für Gross­kunden in aller Welt geht; man geht sie auch für das Personal. Gerne mit Hilfe eines Job Coachings, vermittelt durch die SVA Zürich. Im Fall von Beat riet der Coach des Integrations­partners Beratungsbuffet dazu, rote und grüne Kärtchen zu verwenden, durch die er sich würde mitteilen können. Auch das Team wurde entsprechend geschult. Manche rätselten trotzdem: Fühlte sich dieser stille Mitarbeiter hier wirklich wohl? Der Job Coach empfahl: Gebt ihm eine Skala von 1 bis 10 und fragt ihn. Beat deutete auf die Acht. Tanner runzelte die Stirn. Nicht der Höchst­wert? Der Job Coach aber erklärte begeistert: «Eine Acht von diesem Jungen – das ist absolut top!» Nach erfolgreichem Abschluss seiner derzeitigen EBA-Lehre wird Beat die dreijährige EFZ-Lehre zum Produktions­mechaniker anschliessen.

Integration ist für uns kein Sprint.

Äusserste Präzision und höchste Liefer­treue machen die Erfolgsstory des Familien­unternehmens über vier Generationen hinweg aus. Doch ebenso zählen die berufs­bezogenen Bedürfnisse und Vorlieben der Mitarbeitenden. Das beste Beispiel dafür ist Paolo*. Er hatte ineinem anderen Betrieb eine Ausbildungs­stelle über die IV-Stelle der SVA Zürich finanziert bekommen, wurde aber nicht fest angestellt. Auf Vermittlung der Berufs­beraterin der SVA Zürich startete Paolo bei Oertli zunächst einen Arbeits­versuch mit einem Teil­pensum und einer IV-Teilrente und durchlief mehrere Abteilungen. Bis klar war: Sein Platz ist in der Normteil-Fertigung. Wo die Roboter­arme rund um die Uhr Werkstücke modellieren, wacht er über Prozesse und Output. Auch freitags, wenn die Halle wegen Fortbildungen oder Schul­pflicht fast menschen­leer ist. «Das», hat Tanner beobachtet, «macht ihn megastolz.»

Präzise in der Sache, vertrauensvoll zu allen Betriebsangehörigen: Sandro Tanner (l.) in seiner Rolle als Teamchef in der Produktion.
Präzise in der Sache, vertrauensvoll zu allen Betriebsangehörigen: Sandro Tanner (l.) in seiner Rolle als Teamchef in der Produktion.

Die Verbunden­heit der Mitarbeitenden mit diesem Arbeit­geber zeigt sich in einer erstaunlichen Zahl: Rund die Hälfte der 40 Angestellten in der Fertigung waren dort Lernende. Der älteste Mitarbeitende ist 70 Jahre alt. Auch Paul und Thomas Oertli jun., die Enkel des Gründers und Werkzeug­machers Jean Oertli, engagieren sich noch immer für den Betrieb. Zum Jubiläum vor drei Jahren schenkte die Beleg­schaft der Geschäfts­leitung als Dank für «100 Jahre Arbeitsplatz­sicherheit am Standort Schweiz» eine Holz­skulptur: einen lebens­grossen Gepard. Das schnellste Säuge­tier der Welt ziert das Firmenlogo – als Sinnbild für die Geschwindig­keit der Maschinen. Bei den Mitarbeitenden selbst geht es nicht ums Tempo, sondern um Werte. Gabrielli sagt schmunzelnd: «Integration ist für uns kein Sprint.»

*Name geändert

Integration konkret bei der OERTLI Werkzeuge AG

Das 1923 gegründete Familienunternehmen mit Sitz in Höri produziert Hochleistungs­werkzeuge für die Holz­verarbeitung in den Bereichen Fenster und Türen, Holzbau, Innenausbau sowie Hobeln für den Schweizer und internationalen Markt. Mit 150 Mitarbeitenden am Haupt­sitz bekennt sich das Unter­nehmen klar zum Produktions­standort Schweiz und sichert damit langfristig qualifizierte Arbeits­plätze. Die berufliche Integration ist seit der Gründung fester Bestandteil der Unternehmens­kultur. Bereits Gründer Jean Oertli unterstützte Mitarbeitende mit gesundheitlichen Einschränkungen. Dieses Engagement wurde über Generationen weiterentwickelt und ist bis heute ein zentraler Grund­pfeiler des Unternehmens.

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