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Maag Recycling AG

This-Priis: Der IV-Arbeitgeber-Award: Maag Recycling AG

This-Priis: Der IV-Arbeitgeber-Award

Der This-Priis zeich­net jähr­lich Unter­nehmen im Kanton Zürich aus, die sich für die beruf­liche Integration von Menschen mit gesund­heitlichen Einschränk­ungen enga­gieren – und das seit 20 Jahren. 

Wert erkennen

Maag Recycling AG (Finalistin 2026)

Die Winterthurer­innen und Winterthurer wissen ihn zu schätzen, ihren «Recy-Hof». An Spitzen­tagen strömen bis zu 2‘500 Personen in die überdachte Freiluft­halle an der Werk­strasse 7, um Wert- und Reststoffe zu entsorgen. Seit Eröffnung der Anlage für Privat­personen 2004 kommen auch ganze Schul­klassen zu Führungen. Auf ihren Entdeckungs­touren in gelben Leucht­westen erleben kleine und grosse Gäste, wie Fachkräfte bei Wind und Wetter tonnen­weise Material durch die verwinkelte Landschaft aus Stahl und Beton bewegen. «Das Herz­stück unseres Betriebs ist die Schrottschere», erklärt Judith Maag. «Eine besonders wichtige Rolle spielt aber auch der Zerlege­betrieb.» Dort arbeitet ein 15-köpfiges Team, von dem ein erheblicher Teil über Integrations­massnahmen zum Unter­nehmen gefunden hat.

«Wir sehen hinter jedem Altgerät eine Ressource», sagt Maag, «und hinter jedem Menschen ein Potenzial.» Dieser Devise gemäss, hat die Leiterin des Bereichs Elektronik, Linda Rusterholz, nicht nur die Aufsicht über die fachgerechte Verarbeitung von PCs, Spielkonsolen, Plasma­bildschirmen oder Elektro­zahnbürsten. Sie ist auch Leiterin einer eigenen Integrations­abteilung. So hat die 38-Jährige immer auch jene im Blick, die auf Anfrage oder Vermittlung der SVA Zürich, ihrer Integrations­partner oder der Sozialhilfe der Stadt Winterthur ins Unter­nehmen finden. Viele, die hier in einem strukturierten Arbeitsleben Fuss fassen, kommen nach den Worten von Judith Maag, «aus nicht gerade linear verlaufenen Lebensphasen».

Judith Maag, Inhaberin und Geschäftsführerin der Maag Recycling AG in Winterthur.
Judith Maag, Inhaberin und Geschäftsführerin der Maag Recycling AG in Winterthur.

Ein Ort der persönlichen Entwicklung

Während es auf dem schrundigen Asphalt zwischen hohen Hallen donnert, scheppert und quietscht, werkeln im Zerlege­betrieb bei dezenter Popmusik die Mitarbeitenden an ihren Werkbänken. Ständig werden neue Wannen und Container mit Elektroschrott hereingefahren. In Metall­behältern warten die Altgeräte dann darauf, ausgeweidet zu werden. Mit Feingefühl und fachlichem Wissen um die wertvollen Bestandteile wird aufgeschraubt, rausgehebelt, weggezwickt. Wo vor Jahr­zehnten Quer­einsteiger im Nebenjob ein paar Glas-Container beaufsichtigten, haben heute «Recyclisten» das Sagen, nachdem sie eine EFZ-Ausbildung durchlaufen haben. Doch auch so manche ungelernte Hilfskraft schafft den Aufstieg. Der Zerlege­betrieb ist Maag zufolge «nicht nur ein Ort des Recyclings, sondern auch ein Ort der persönlichen Entwicklung».

Lehrberuf «Recyclist»: Im Zerlegebetrieb braucht es Expertise und handwerkliches Können im Umgang mit wiederverwertbarem Elektroschrott.

Marvin* ist einer von denen, die den Weg zurück in den ersten Arbeits­markt geschafft haben. Nach Burnout und einer Phase der Depression hat die Eingliederungs­beratung der SVA Zürich dem 40-Jährigen einen Arbeits­versuch bei Maag vermittelt. «Wir haben darauf geachtet, dass er sich trotz befristeter Versuchs­zeit nicht übernimmt», sagt Linda Rusterholz. So konnte Marvin von zunächst 50 Prozent auf 80 Prozent Arbeits­belastung gehen. Innert einem Jahr hat er es in eine regulär entlöhnte Vollzeit­beschäftigung geschafft. Was besonders erfreulich ist: Marvin hat sich für die Stapler-Prüfung qualifiziert, «das hat ihm einen richtigen Schub gegeben». Dass sie ihn nicht überfordert, sondern gefordert und gefördert haben, weiss Marvin zu schätzen. Er lobt: «Bei Maag schaut man aufeinander.»

Wertschätzende Chefin: Auf dem Werksgelände begegnet Judith Maag jedem auf Augenhöhe.
Wertschätzende Chefin: Auf dem Werksgelände begegnet Judith Maag jedem auf Augenhöhe.

«Menschen sind keine Nummern»

Derartige Integrations­anstrengungen sind nicht selbstverständlich in einer Branche, die immer komplexer wird, wie Judith Maag erklärt. Die Umwelt­natur­wissenschaftlerin sieht ihre Margen gehörig unter Druck. Wo ein Schrottplatz einst zur Goldgrube werden konnte, fordere heute «unsere Wegwerf­gesellschaft» zu scharfer Kalkulation. Die Geräte werden nicht mehr auf Nachhaltig­keit ausgelegt, sondern auf schnellen Verschleiss. Eingeklebte Lithium­batterien herauszutrennen, wäre extrem aufwändig und brächte kaum Ertrag. Dazu kommt jede Menge Bürokratie. Zudem sieht der Stadt­entwicklungs­plan «Winterthur 2040» einen Siedlungs­neubau unmittelbar angrenzend an das Gelände des 1942 gegründeten Familien­betriebs vor. Judith Maag ist aber zuversichtlich, es im Kern erhalten zu können. Wichtig wäre das nicht nur für das Recycling in einer wachsenden Stadt, sondern auch für Menschen wie Rafael*.

Wir sehen hinter jedem Menschen ein Potenzial.

Der Maag-Mitarbeiter nähert sich dem Renten­alter, ist nach einem schweren Unfall und einem Hirnschlag körperlich beeinträchtigt und kümmerte sich auch um seine an Krebs erkrankte Frau. Es wäre ein Leichtes, so jemanden ins soziale Netz fallen zu lassen. Stattdessen hat man ihm bei Maag aus eigenen Mitteln einen ergonomischen Stuhl und ein Tritt­brett finanziert. Judith Maag meint es offensichtlich ernst, wenn sie sagt: «Menschen sind keine Nummern.» Diesem wertvollen Mitarbeiter zu kündigen, würde aus ihrer Sicht die Situation nicht lösen. «Damit täten wir auch der Gesellschaft keinen Gefallen.» Maag steuert bewusst gegen eine Gesellschaft, in der man «nur noch nach links oder rechts swipt». Sie sieht in allem, was andere achtlos beiseite­schieben, den Wert.

*Name geändert

Integration konkret bei der Maag Recycling AG

Mit ihren 83 Mitarbeitenden ist die Maag Recycling AG in Winterthur ein regional­verankerter Recycling­betrieb mit langer Tradition. Als Familien­unternehmen in vierter Generation setzt der Betrieb auf einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und übernimmt gleich­zeitig soziale Verantwortung. Neben ökologischen Zielen setzt das Unter­nehmen konsequent auf die Integration von Menschen mit gesundheitlichen oder sozialen Heraus­forderungen.

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