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Genossenschaft ZFV-Unternehmungen
This-Priis: Der IV-Arbeitgeber-Award: Genossenschaft ZFV-Unternehmungen
This-Priis: Der IV-Arbeitgeber-Award
Der This-Priis zeichnet jährlich Unternehmen im Kanton Zürich aus, die sich für die berufliche Integration von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen engagieren – und das seit 20 Jahren.
Integration à la carte
Genossenschaft ZFV-Unternehmungen (Finalistin 2026)
Mutige Zürcher Frauen vollbrachten 1894 eine Pioniertat mit Langzeitwirkung: Sie gründeten den «Zürcher Frauenverein für Mässigkeit und Volkswohl» (heute ZFV-Genossenschaft), um mit Wirtshäusern ohne Alkoholausschank die gesellschaftlichen Folgen des Alkoholkonsums zu bekämpfen und die Besserstellung der Frauen im Gastgewerbe zu bewirken. Heute steht die ZFV mit ihren Uni- und Firmenkantinen, der Betriebs- und Event-Gastronomie, den Sorell-Hotels und -Restaurants sowie weiteren Geschäftsfeldern immer noch für einen verantwortungsvollen Umgang mit Menschen und Umwelt. Doch ganz im Geiste der Pionierinnen geht es bei der ZFV-Genossenschaft nun vor allem um gesunde und nachhaltige Verpflegung, Lebens- und Arbeitsweisen. Zu den obersten Unternehmenswerten gehört das Bekenntnis zu Chancengerechtigkeit und Inklusion.
«Menschen und Kultur» statt «Human Resources»
Die schweizweit rund 3‘000 Mitarbeitenden stammen aus fast 90 Nationen. «Es ist unsere gesellschaftliche Verpflichtung, zu integrieren», sagt Angela Tauro. In anderen Unternehmen würde man Tauro als die «Leiterin HR» bezeichnen, doch bei der ZFV mit ihren rund 220 Betrieben spricht man von der Abteilung «M&K», also: «Menschen & Kultur». Menschen, sagt Tauro, seien eben keine «Ressourcen», sondern würden die Unternehmenskultur prägen. In der Gastronomie allgemein, in Küche oder Service gehe es zwar oft hektisch zu, aber zentral sei: «Bei uns geht man mit Respekt und Anstand mit den Mitmenschen um.»
Das beginnt schon auf der Ebene der Vorgesetzten. Die rund 500 Führungskräfte der ZFV besuchen jährliche Leadership-Foren. Letztes Jahr etwa zum Thema «gesund Führen». Teilnehmende berichteten dort, wie in ihrem jeweiligen Betrieb Inklusion erfolgreich umgesetzt werden konnte. Da erzählt etwa jemand vom richtigen Umgang mit einer gehörlosen Person. Man gibt sich gegenseitig Tipps und diskutiert konkrete Herausforderungen und Erfolgserlebnisse. «Solche ehrlichen Erzählungen nehmen auch anderen Teilnehmenden mögliche Hemmungen», erklärt Verena Hicke, Business Partnerin im Bereich «M&K».
Und auch wenn dies ein sehr spezifisches Beispiel sei, helfen solche Diskussionen aufzuzeigen, dass die Hürden für Inklusion gar nicht so hoch sind. Die Führungskräfte waren durch das Leadership-Forum bereits sensibilisiert, als sich in einem Gastrobetrieb eine Person mit einer Schwerhörigkeit bewarb. Der Job Coach von der SVA Zürich schulte das Team vor Ort daraufhin im Umgang mit dieser gesundheitlichen Einschränkung. Leadership sei grundsätzlich wichtig, um Nachhaltigkeit in allen Dimensionen zu verstehen und zu leben. In der sozialen Dimension bedeutet es unter anderem, «chancengerechte Massnahmen» zu ergreifen.
Achten auf Früherkennungssignale
Die ZFV hat bereits unterschiedliche Inklusions-Erfahrungen gesammelt. Nicht nur in den Betrieben, sondern auch im Büro werden Arbeitsversuche und Reintegrationen ermöglicht. Zum Beispiel erhält eine Mitarbeitende mit Autoimmunerkrankung die Möglichkeit, ihre Aufgaben vorzugsweise im Homeoffice zu erledigen sowie bei Bedarf in einem besonders geschützten Bereich im Büro zu arbeiten, um die Ansteckungsgefahr für sie zu minimieren. Immer wieder kommt ein Job Coach der SVA Zürich zum Austausch mit ihr und dem Team.
Sind Mitarbeitende für längere Zeit abwesend, halten Führungskräfte Kontakt. Sie lernen, auf Früherkennungssignale für psychosoziale Schwierigkeiten zu achten. «Es können ja zu jeder Zeit Dinge passieren, die einen aus der Bahn werfen», sagt Verena Hicke, «am Arbeitsplatz oder im Privaten.» Die Gleichbehandlung von Menschen mit vorübergehenden Schwierigkeiten oder längerfristigen gesundheitlichen Einschränkungen zeigt sich auch in der Gestaltung des Dienstplans. Die ZFV achtet darauf, dass alle Mitarbeitenden gleichwertig behandelt werden – dies beginnt schon bei der administrativen Eingliederung. Alle Mitarbeitenden werden als vollwertige Teammitglieder in Dienstplänen aufgeführt.
Bei uns geht man mit Respekt und Anstand mit den Mitmenschen um.
Das galt natürlich auch für den Hilfskoch, der in einem ZFV-Personalrestaurant ein Arbeitstraining begann. Wegen eines Schleudertraumas nach einem Verkehrsunfall ist er körperlich in der Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Mit dieser Beeinträchtigung können die Kolleginnen und Kollegen im ZFV-Betrieb umgehen. Es ist immer jemand da, der schnell unterstützen kann. «Man muss sehr niederschwellig herausfinden, wo die Belastungsgrenze ist und entsprechend hilfsbereit sein», sagt Verena Hicke. In ihren Gesprächen mit dem Team hat sie trotzdem nur positive Rückmeldung bekommen. Er sei ein «herzensguter Mensch», den wollten sie unbedingt halten. Inzwischen ist er festangestellt. Schon wieder ein Fall gelungener Integration im Sinne der Pionierinnen von einst.
Integration konkret bei der Genossenschaft ZFV-Unternehmungen
Die ZFV-Genossenschaft beschäftigt im Kanton Zürich rund 1’840 Mitarbeitende in der Systemgastronomie. Gegründet mit dem Ziel, soziale Verantwortung zu übernehmen, stehen Diversität, Inklusion und Chancengerechtigkeit im Zentrum der Unternehmenskultur. Mitarbeitende aus rund 90 Nationen prägen das multikulturelle Arbeitsumfeld.
| Neueinstellungen | Arbeitsplatzerhalt | Lernende | Arbeitsversuch |
| In den letzten zwei Jahren wurden sechs Neueinstellungen ermöglicht. Eine Mitarbeiterin mit Autoimmunerkrankung wurde nach einem Arbeitsversuch als Spezialistin Services Menschen & Kultur im 50-Prozent-Pensum angestellt. Ein Mitarbeiter mit Schleudertrauma nach einem Verkehrsunfall erhielt nach einem Arbeitstraining eine Festanstellung als Hilfskoch. Zudem wurde eine schwerhörige Person mit Unterstützung durch Job Coaching angestellt. |
Ein ehemaliger Betriebsleiter konnte aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen nicht mehr in seiner ursprünglichen Funktion arbeiten. Durch interne Umplatzierung und gezielte Schulung übernahm er die zentrale Menüplanung für ein grosses Mandat und bleibt nachhaltig im Unternehmen integriert. |
Aktuell werden zwei Lernende mit ADHS und ein Lernender mit Down-Syndrom ausgebildet, alle auf EFZ-Niveau. | Derzeit laufen zwei Arbeitsversuche und weitere Anfragen werden laufend geprüft. Bei positivem Verlauf wird eine nachhaltige Anstellung ins Auge gefasst. |