Offene Worte am Runden Tisch
Susanne ist das Musterbeispiel einer gelungenen Integration, auch wenn – oder gerade weil – da nicht immer alles rund gelaufen ist. Als sie sich im August 2024 auf Vermittlung eines IV-Integrationspartners vorstellte, war sie voller Selbstzweifel. Da hatten alle ein Diplom und waren fit in mehreren Sprachen. War sie da nicht fehl am Platz? Wo sie doch weder mit dem einen noch mit dem anderen punkten konnte? Ausgerechnet hier, wo es so sehr auf Qualifikationen und Zertifikate ankommt? Und dann waren da noch die dumpfen Erinnerungen an schwierige Situationen mit der vorherigen Chefin. Susanne entwickelte eine Augenlähmung, bezog vorübergehend eine IV-Rente, und erkrankte zwei Jahre nach ihrem Wiedereinstieg an Krebs. Wieder bezog sie eine Rente, nach überstandener Operation und Chemo liess sie sich überreden, ihr Arbeitsverhältnis erneut aufzunehmen. Nur um kurz vor Eintritt in ihrem 15. Dienstjahr gekündigt zu werden. So entfielen auch die dann üblichen Gratifikationen.
Und nun wieder diese Angst, Fehler zu machen, nicht zu funktionieren. Der Druck überforderte Susanne, ihre Leistungen liessen nach. Doch Evelyne Sydler sagt: «Wir haben gemerkt, dass sie will.» Sie riet Susanne, sich für die Festanstellung zu bewerben, um endlich Unsicherheit und Druck loszuwerden. Die SVA Zürich bewilligte ein beantragtes Taggeld und so war der Arbeitsversuch mit reduziertem Arbeitspensum für Academia abgesichert. Als dann die Festanstellung anstand, nahm Sydler wahr, dass es Susanne erneut nicht gut ging. Sie berief einen runden Tisch ein, heraus kam der Ratschlag an die Bewerberin, erst einmal eine Klinik aufzusuchen.
Bei Susanne triggerte das alte Ängste, wie sie selbst erzählt. Sie habe gedacht: «Die wollen mich dann vielleicht nicht mehr.» Doch Susanne liess es drauf ankommen und war am Ende glücklich. Ihr Eindruck vom freundlichen Umgangston, der Offenheit und Transparenz und der Bereitschaft zu helfen, hatten nicht getäuscht. Sydler nahm sogar den Weg in die Klinik auf sich, um mit der zuständigen Psychologin die Rückkehr in den Job zu besprechen. «Es ist wichtig für den Eingliederungsprozess, dass die Person merkt: Wir als Arbeitgeber stehen dahinter, wir wollen das wirklich. Das Ziel ist immer: Wir schaffen das.»